Sexdrehs: Das sind die tricks der Produzenten

LESEZEIT: 4 MINUTEN Sexdrehs: Prominente enthüllen sich!?

So ziemlich jeder kennt folgende Situation: Man sitzt als junger Mensch abends mit seinen Eltern auf der Couch und schaut einen Film. Dann passiert es: Eine Sexszene. Die Reaktion der meisten in dem Moment, ist so ziemlich die gleiche: Betretenes Schweigen, bloß nicht hinsehen und hoffen, dass es gleich vorbei ist. (odersomagazin.de)

So ziemlich jeder kennt folgende Situation: Man sitzt als junger Mensch abends mit seinen Eltern auf der Couch und schaut einen Film. Dann passiert es: Eine Sexszene. Die Reaktion der meisten in dem Moment, ist so ziemlich die gleiche: Betretenes Schweigen, bloß nicht hinsehen und hoffen, dass es gleich vorbei ist.

Doch, wie werden solche äußerst intime Szenen gedreht und wie werden betroffene Schauspieler*innen darauf vorbereitet und vor unangenehmen Situationen geschützt? Die werden ja bestimmt nicht wirklich für die Szene miteinander schlafen!? Oder etwa doch? Zur Beruhigung: Nein, tun sie nicht! Dürfen sie gar nicht!

Wir erklären euch exklusiv, wie Sexdrehs in der Realität funktionieren.

Bis 2017 hat sich kaum jemand Gedanken über dieses Thema gemacht, über so etwas sprach man bis dato wenn dann hinter verschlossenen Türen oder vorgehaltener Hand. 

Seit #metoo ist alles anders. Seit der Aufdeckung des Weinstein-Skandals fing man an über Sexszenen in Filmen, oder Themen, wie sexueller Missbrauch oder sexueller Belästigung, genauer nachzudenken und in aller Öffentlichkeit darüber zu diskutieren.

Während Frauen in aller Welt ihre Geschichte unter dem Hashtag “Metoo” für jeden einsehbar machten, zogen Filmproduktionen schnell Konsequenzen, um solche Skandale in Zukunft zu vermeiden. In Amerika jedenfalls, Deutschland und Europa hängen da immer noch ein wenig hinterher.

Sexdrehs Absicherung durch Koordinatoren

Um Schauspieler*innen vor sexuellen Übergriffen zu schützen, und dafür zu sorgen, dass sie sich während des Drehs von Sexszenen oder ähnlichen, wohlfühlen, werden Intimitätskoordinatoren am Filmset immer relevanter, in Amerika mittlerweile sogar Pflicht. Auch bei Filmen, in denen keine intime Szene vorkommt, was ja aber relativ selten ist.

Mit Erfolg, denn die Anzahl der Übergriffe scheint gesunken zu sein, jedenfalls hört man diesbezüglich kaum noch etwas in den Medien. 

Mittlerweile ist in Amerika, wie bereits erwähnt, immer mindestens eine Person, ein sogenannter Intimitätskoordinator, an das Filmset zu holen. Dessen Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sich die betroffenen Schauspieler*innen in intimen Szenen wohlfühlen und ihre eigenen Grenzen nicht überschreiten, sowie einen Unterschied zwischen dem “professionellem Körper” und dem “privaten Körper” zu finden. 

Doch was genau ist ein Intimitätskoordinator eigentlich? Ein Intimitätskoordinator ist ein Experte für Fragen, wie: “Was darf vom Körper der Schauspieler*innen gezeigt werden?” Oder “Wer darf am Set sein, wenn explizite Nacktszenen gedreht werden?”

Sie haben die Aufgabe, gemeinsam mit den Schauspielern ihre persönlichen Grenzen zu erarbeiten, sowie diese zu coachen, ihre Grenzen einzuhalten und klar zu kommunizieren!

Intimitätskoordinatoren sind zu dem dafür zuständig, Regisseur und Betroffene in offener und respektvoller Kommunikation zu coachen, ohne die es einfach von vornherein nicht funktioniert.

Solche Szenen sind nicht für jeden Alltag und müssen somit ganz speziell behandelt und kommuniziert werden. Oft werden sie allerdings bis dato lediglich für die Vorprodukten gebucht, um Regisseur und Crew zu coachen, da während des Drehs hoher Zeitdruck herrscht und dafür dann einfach keine Zeit mehr ist. 

Für den Dreh von intimen Szenen liegen strenge Regeln und Auflagen vor. So dürfen sich zum Beispiel die Genitalien der Schauspieler bei einer simulierten Sexszene unter gar keinen Umständen berühren. Damit es trotzdem beim Publikum so ankommt, als würden die Schauspieler im Film wirklich miteinander schlafen, gibt es choreographische Tricks und entsprechende Kostüme.

Ebenfalls festgelegt ist, dass sogenannte “Closed-Set”. Damit ist gemeint, dass nur die minimal benötigte Crew beim Dreh einer Nackt-oder Sexszene mit dabei sein darf, zum Schutz der Schauspieler. Denn, wer hat schon gerne Sex, wenn dabei hunderte Augenpaare zuschauen, egal ob real oder simuliert. Niemand! Außerdem sinkt damit die Wahrscheinlichkeit eines sexuellen Übergriffes oder sexueller Belästigung.

Doch was ist, wenn es den Schauspielern während des Takes zu viel wird, wenn sie sich in dem Moment völlig überfordert fühlen? Zu ihrem eigenen Schutz haben in solchen Szenen die betroffenen Schauspieler jederzeit die Möglichkeit, den Take abzubrechen und sich ein Time-Out zu nehmen. So lange, bis sie sich wieder bereit dazu fühlen, die entsprechende Szene zu drehen.

Während bei “normalen” Szenen hier und da ein wenig improvisiert werden kann, MUSS eine Nackt- oder  Sexszene bis in kleinste Detail durchgeplant und choreographiert sein. Unter keinen Umständen darf auch nur das kleinste Bisschen von dem Plan abweichen, um mögliche Belästigung und Übergriffe schlicht und ergreifend in diesen Situationen auszuschließen. 

Wie oben bereits erwähnt, dürfen sich die Genitalien der Schauspieler nicht berühren. Um die Szene trotzdem so realistisch wie möglich aussehen zu lassen, gibt es diverse Techniken, Kostüme und choreographische Tricks. Während einer Sexszene kommen oft “Vagina-Patches” oder “Penisstrümpfe” zum Einsatz, um eine Berührung zu vermeiden. Zudem benutzen Maskenbildner für solche Szenen Ganzkörper-Make-Up, welches einer Sprühbräune ähnelt und sich für Schauspieler wie eine zweite Haut anfühlt, Sodas ihr “privater Körper” unter der zweiten Haut (dem “professionellem Körper”) geschützt bleibt.

Bei Sexszene, die “Gewaltvoll” aussehen sollen (z.B. durch Einsatz von Peitschen o.ä.) werden oft sogenannter “Körper-Doubles” eingesetzt, damit kein Mensch ernsthafte Schäden davonträgt und die Intimitätsspähre der Schauspieler nicht verletzt wird. Durch spätere Bearbeitung der Szene fällt dieses Double dem Zuschauer gar nicht mehr auf und es wirkt so, als hätte in dieser Szene tatsächlich ein echter Mensch gespielt. Sollte in einer Sexszene jegliche Art von Sexspielzeug seinen Gebrauch finden, so gibt der Regisseur dies an die Requisiten weiter, die speziell für solche Szenen eine eigene Abteilung für Sexspielzeug haben (Keine kleine, wohlgemerkt). Die Auswahl des Sexspielzeugs dauert ein wenig, da teils hunderte Bilder mit einer riesigen Auswahl der Crew zur Verfügung stehen…Ein wahres Paradies für alle Sexspielzeug-Liebhaber 😉

Bei Nacktszenen ist es ähnlich. Vieles, was der Zuschauer im Endresultat sieht, ist gar nicht echt. Auf ein Beispiel Beschränkt: Schamhaare, egal ob bei Mann oder Frau, sind in keinem Fall echt! Dafür hat die Requisite “Pussyperücken”. 

Während, wie bereits ganz am Anfang erwähnt, in Amerika seit 2017/2018 Intimitätskoordinatoren Pflicht sind, hängt Deutschland zurück. Denn hierzulande gibt es sie zwar, aber an Filmsets sind sie bis jetzt noch keine Pflicht. Bis sie es sind ist es nur noch eine Frage der Zeit, da die Forderungen seitens der Schauspieler*innen immer klarer und lauter werden. Immer mehr Schauspielerinnen lassen sich zu Intimitätskoordinatoren ein Jahr lang ausbilden, denn auch hierzulande sind sexueller Übergriffe Thema und der Schutz von Schauspielern und Schauspielerinnen wichtiger!


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Julia Effertz
Februar 7, 2020 12:11

Vielen Dank für diesen schönen Bericht zu diesem wichtigen Branchenthema und fürs aufmerksam machen. Nach meinem Kenntnisstand bin ich aktuell (Februar 2020) die bisher erste und einzige ausgebildete Intimitätskoordinatorin für den deutschsprachigen Raum. Was sich hoffentlich in Zukunft ändern wird. 😉

nudelfabrik24
Abonnent
Januar 24, 2020 15:38

sehr interessant was in der Filmwelt passiert ist ja kaum zu fassen wie da getrickst wird

Der Großemächtige
Der Großemächtige
Februar 22, 2020 10:37

Ich dacht ja immr die haben Klamotten an und fertig und der Mann mus sich einfach zusammenreißen fertsch haha

Anne Marie
Anne Marie
Januar 23, 2020 22:41

schon sehr interessant

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