Filmdramaturgie – Das steckt dahinter!

Jeder hat schon einmal von Filmdramaturgie gehört, doch viele verwechseln es mit der Geschichte an sich. Doch, was steckt wirklich dahinter?

Filmdramaturgie, was ist das eigentlich? Wo liegt der Unterschied zwischen der Dramaturgie und der eigentlichen Geschichte?

Dramaturgie beschreibt das “Wie” im Prozess der Filmproduktion. Wie wird eine Geschichte am besten erzählt? Das umzusetzen ist Aufgabe der Dramaturgie. Die Geschichte hingegen. lässt sich mit der Frage “Was?” beschreiben, also, was wird erzählt!? Die Handlung ist die Geschichte, aber die Art und Weise, wie die Handlung erzählt wird ist die Dramaturgie.

Wie wichtig die Dramaturgie wirklich ist, zeigt folgendes Beispiel: Für den Menschen an sich sind die Geburt und der Tod existenziell. Aus Sicht eines Erzählers jedoch, sind sie lediglich zwei Eckpunkte, zwischen denen alles erdenklich mögliche passieren kann. Deswegen braucht das Storytelling für Film und Video einen Rahmen und ein Strukturprinzip, damit sich Lebenssachverhältnisse für ein breites Publikum nachvollziehbar transportieren lassen.


Die Wurzeln der Dramaturgie

Wie so vieles aus Film und Video, hat auch die klassische Filmdramaturgie ihre Wurzeln im Theater.

Vor ziemliche genau 200 Jahren erkannten Autoren und Theaterbetreiber folgendes Phänomen im wiederhergestellten Europa: Sie konnten den Zuschauern zwar die Ereignisse aus der Vergangenheit in Erinnerung rufen, doch das Publikum fand das Stück letztendlich nur gut, und applaudierte, wenn am Ende das Gute auf der Bühne siegte.

nach dieser Erkenntnis ordneten sie die Szenen stets in einer 3-Akt-Struktur ein:
1. Akt: Der Konflikt zwischen der wichtigsten Person des Stückes gegen das Böse
2. Akt: Der Kampf
3. Akt: Das Gute siegt
Mit dieser Struktur war die klassische Dramaturgie geboren.

Anfang des letzten Jahrhunderts übernahmen die Filmpioniere dieses Strukturprinzip und bis heute garantiert es Milliardenumsätze und hat als “Happy-End” weltweit Karriere gemacht.


Nicht “Anfang und Ende”, sondern “Vorher und nachher” geben den Figuren und der Story im Drehbuch ihren Wert. Das ist die Antwort auf einen Fehler, der immer wieder vorkommt. Der Fehler ist folgender: Dem griechischen Philosophen Aristoteles wird immer wieder gern die Urheberschaft der Feststellung zugeschrieben, dass jede Geschichte einen Anfang, eine Mitte und ein Ende habe.

Das jedoch, ist doppelter Unsinn, denn auf der einen Seite hat es dieses Zitat bei Aristoteles nie gegeben und auf der anderen Seite: Der Anfang und das Ende sind zwar relevant für das Erzählen einer Geschichte, aber sie sind jedoch noch keine Geschichte!

Diese Erkenntnis führt direkt zu einem der am häufigsten angewendeten und technisch überaus starken Werkzeug: Dem Kontrast.

Je größer der Verlust für die Figuren, je unüberwindbarer ein Problem für die Zuschauer, desto stärker zieht die Handlung das Publikum das Publikum in den Bann!


Dramaturgische Werkzeuge

Dramaturgische Werkzeuge gewährleisten, im Zusammenspiel mit filmischen Handwerkszeug die Faszination des bewegten Bildes. Dank ihnen werden Situationen zu Geschichten.

Dramaturgie ist wie das Storytelling: Ein Handwerk mit dem Potenzial zur Kunst!

Es gibt sechs sehr bewährte dramaturgische Werkzeuge:
1. Überraschung
2. Kontrast
3. Verzögerung
4. Wissensvorsprung
5. Erregung
6. Humor


Ohne die richtige Dramaturgie ist die schönste Videokalkulation hinfällig, da kann auch subjektive Wahrnehmung nichts ändern und es geht nicht nur das Storytelling im Imagefilm verloren.

Man kann so weit gehen, zu sagen, dass ohne den gekonnten Umgang mit Dramaturgie die Zukunft im Auftragsfilm gefährdet ist!


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Marie Wüstenfeld
Mitglied
Marie Wüstenfeld

sehr toller und informativer Beitrag!
Gefällt mir sehr gut was hier geschrieben wurde.