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Superspreaderin
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Satire

Bayerns “Superspreaderin” – Ein Versagen der Behörden

Achtung!: Dieser Beitrag könnte mit Satire infiziert sein!

Der Tatort der “Superspreaderin”: Garmisch-Partenkirchen in Bayern.
Der Tatvorwurf: Das Anstecken sehr sehr vieler Menschen mit dem modischen Corona-Virus.
Die Täterin: Eine 26-jährige, in Deutschland lebende, US-Amerikanerin.

War ja klar, immer sind es die Amerikaner… Erst besetzen sie Jahrzehnte lang unser Land und jetzt verbreiten sie gerade in Bayern (Gehört das überhaupt noch zu Deutschland?) das hochinfiziöse Corona-Virus. Aber wann genau soll das passiert sein?

Nun, um diese Frage zu beantworten, muss folgendes erst einmal aufgeschlüsselt werden:
1. Wo fand es statt? In Bayern.
2. Wofür ist Bayern international bekannt? Das Oktoberfest, das im September stattfindet
3. Was wird neben Weißwurst dort vor allem konsumiert? Alkohol bis zum Umfallen.

Gut, wer diesen Schritten logisch gefolgt ist, kann sich nun vielleicht denken, wobei die “Superspreaderin”, so wurde die junge Frau sehr liebevoll von Behörden und Medien genannt, unglaublich viele Menschen mit Corona angesteckt haben soll. Die Auflösung: Bei einer Kneipentour (Sicher, dass sie keine Studentin hier in Leipzig ist?). Während dieser Kneipentour soll sie nun also mutmaßlich viele Menschen angesteckt haben.

Behörden und Medien, sowie diverse Politiker, reagierten prompt und verlangten “harte Strafen” für die 26-jährige. Wenn man etwas von Behörden braucht, dann kann man mal mehrere Wochen warten, aber BEI DIESEM FALL reagieren sie sofort. Versteh mal einer die Deutschen…

Die Vorwürfe und Forderungen kamen schnell und waren drastisch. Der Nachteil: Die Belege für diese Tat, die allerdings waren sehr sehr dünn. Wow, was für eine grandiose Leistung der deutschen Behörden! Wenn ich Trump wäre, dann würde ich auch meine Truppen aus so einem Land abziehen!

Aber noch besser als die bayrischen Behörden reagierten die bundesweiten Medien auf diesen Vorfall. So veröffentlichte der Bayrische Rundfunk folgende Schlagzeile: “Superspreaderin macht Party”. Die Tagesschau verfasste folgende kreative Zeile: “Ermittlungen gegen Superspreaderin”. Unsere Lieblingszeitung, die BILD äußerte sich wie folgt: “Garmisch-Partenkirchen sauer auf die Superspreaderin” (Klingt wie im Kindergarten, wenn man uns fragt, das kann auch ein Kleinkind besser formulieren, aber es ist nunmal die BILD)

Wieder Die BILD: In einer Video-Überschrift sprach das Boulevard-Blatt von einer “potenziellen Killerin”. Zudem nannte sie ihren Vornamen, sowie den “gekürzten” Nachnamen. Wenn man also möchte, könnte man diese junge Amerikanerin easy finden. Super gemacht, liebe BILD, mit Datenschutz habt ihr es wohl nicht so!

Die “Superspreaderin”: Der Hintergrund des Versagens

Ursache des ganzen Stress’ war der stattgefundene Griechenland-Urlaub der 26-jährigen US-Amerikanerin. Gut, in Zeiten von Corona vielleicht allgemein die beste Entscheidung die sie getroffen hat, aber doch irgendwo verständlich. Nun gut, jedenfalls wohnt die “Superspreaderin” in Garmisch-Partenkirchen (Das liegt in Bayern, wir mussten es auch erstmal googlen).

Nach dem besagten Urlaub ließ sich die junge Frau vorbildlich beim zuständigen Gesundheitsamt auf das Corona-Virus testen. Nach ihrer Rückkehr steckte sie jedoch, so die Medien und örtlichen Behörden, zahlreiche Menschen mit dem Virus an. Da das Ergebnis, wie üblich, jedoch erst ein bis zwei Tage später da war, wurde sie ohne Ergebnis an diesem Tag wieder nachhause geschickt.

Die 26-jährige arbeitet in einem Hotel für US-Streitkräfte und deren Familien, also in einem großen Unternehmen mit vielen Mitarbeitern. Von denen soll sie auch echt viele (!) angesteckt haben. Nach dem Vorfall musste der Betrieb dann auch erst mal für zwei Wochen dicht machen (So wie es in ganz Deutschland monatelang Alltag war, aber es ist Bayern, da wird ein riesen Drama daraus gemacht).

Laut Angaben des dortigen Landratsamtes “unterzog” sich die junge US-Amerikanerin am 7. September 2020 dann dem besagten Corona-Test. Jetzt kommt es zu dem eigentlichen Skandal! Am Tag darauf soll sie in mehrere Bars und Kneipen gegangen sein. Am darauffolgenden Mittwoch erhielt sie dann ihr Testergebnis. Und das war, wie zu erwarten, positiv…Sonst könnte sie ja nicht der Sündenbock für die steigenden Corona-Zahlen sein. Laut den zuständigen Behörden habe sie “wissentlich die Quarantäne nicht eingehalten”

Das wirkliche Problem an der ganzen Sache

Die eben genannte Aussage ist stark umstritten, denn keiner kann auch nur im geringsten nachweisen, ob es der Frau angeordnet wurde, oder lediglich nahegelegt wurde, dass sie Zuhause bleiben soll. Das wiederum sei aus “Kapazitätsgründen” schwer nachzuvollziehen. Das war der erste Fehler der dortigen Behörden! Aber das war ja abzusehen, nach Söders Entscheidung, dass sich in Bayern jeder Bürger einmal kostenlos testen lassen kann. Ein klassischer Fall von dezentem Versagen, aber es ist halt Bayern.

Bayerns Innenminister ist sich jedenfalls ganz ganz sicher, dass man ihr angeraten habe, Zuhause zu bleiben. Da entsteht das nächste Problem, es wird politisch! Der genaue Wortlaut hierbei ist aber wichtig, das sagen sogar Experten. Also richtige, echte Experten, nicht aluhuttragende, vegane Kochbuchautoren im Internet.

Es werden nun drastische Strafen gefordert

Trotz der absolut katastrophalen Beiweislage gegen die “Superspreaderin” forderte nicht nur Bayerns Innenminister, sondern auch Ministerpräsident Söder harte Strafen für die betroffene US-Amerikanerin. Es muss halt immer einen Sündenbock für alles geben. Sie bezeichnen es als “Musterfall der Unvernunft”, aber das sich Uschi und Helga zu Corona-Hochzeiten auf einen Kaffee mit dem Rentner-Trupp getroffen haben war okay und nachvollziehbar. Na ist klar! Das Verhalten der jungen Frau jedenfalls müsse nunmal “Konsequenzen haben” in Form von “entsprechend hohen Bußgeldern”. Aber wie sieht das aus, in einem Fall, bei dem die Belege für eine Schuld der US-Amerikanerin so dünn sind?

In Bayern kann bei einem Verstoß gegen die Quarantäne ein Bußgeld bis zu 2000€ verhängt werden. Wir sind der Meinung, dass es deutlich schlechtere Wege gibt, seine Landsleute zu vertreiben. Bayerns Innenminister ging sogar so weit und sprach von “Schadensersatzforderungen”. Und es ging seinen Lauf… Eine Woche später nahm die Staatsanwaltschaft München dann die Ermittlungen gegen die “Superspreaderin” auf. Der Grund: Verdacht auf fahrlässige Körperverletzung.

Positiv getestete, aber keine Kneipentour

Mit der Zeit haben jedoch immer mehr Details in diesem Fall Fragen aufgeworfen. Zu diesem Zeitpunkt sind mehrere hundert Menschen in Garmisch-Partenkirchen dem Aufruf der Behörden gefolgt und haben sich auf Corona testen lassen. Das Ergebnis: Insgesamt 3 (!!!) positive Corona-Tests bei knapp 1000 getesteten…

Und bei den drei positiv getesteten Personen gibt es einen direkten Zusammenhang zu der jungen US-Amerikanerin aka der “Superspreaderin”. Eine war Mitarbeiterin des besuchten Lokals und die anderen beiden waren gleichzeitig ebenfalls Gäste im Lokal, dem Irish Pub.
Außerdem wurde bekannt, dass die Amerikanerin an diesem Abend auf keinen Fall auf “Kneipentour” war. Das jedoch behaupteten Medien und jegliche Behörden vor Ort. Dabei war sie lediglich in diesem einen Pub. Ein weiterer Fehler auf der Liste, ein weiterer Aspekt des Versagens.

Außerdem dürfen reine Bars, Kneipen und Betriebe des Nachtlebens in Bayern noch gar nicht wieder öffnen. Das haben aber die Behörden bei den drastischen Anschuldigungen wohl vergessen. Ups, na kann ja mal passieren. Ein anderes Lokal besuchte die junge Frau vor dem Test und somit vor der möglichen Quarantäne. Das teilte das Landratsamt der “Süddeutschen Zeitung” mit, das sie zunächst als Hauptquelle vieler Neuinfektionen dargestellt hatte. Naja, kann ja auch mal passieren.

Keine der Infektionen eindeutig zurechenbar

Von 32 Neuinfektionen, die im Laufe der Zeit danach festgestellt werden konnten, stehen jedoch nur ein kleiner Teil im Zusammenhang mit der 26-jährigen “Superspreaderin”. Das sind vor allem die Infizierten den Hotels in dem die Frau selbst arbeitet. Das Landratsamt kann jedoch in keiner Weise feststellen, ob die Frau ihre Kollegen/Kolleginnen angesteckt hat, oder aber selbst dort angesteckt wurde. So ein Mist aber auch…Jetzt passt das ganze System mit dem Sündenbock gar nicht mehr, verdammt! Alle anderen Neuinfektionen hatten jedenfalls keinen Zusammenhang, also so gar keinen, zu der jungen Frau.

Somit ist keine einzige, wir wiederholen: keine einzige, der Neuinfektionen in Garmisch-Partenkirchen nachweislich auf die Frau zurückzuführen, die von Behörden, Politik und Medien seitdem als “Superspreaderin” bezeichnet wurde.

Besonders fragwürdig erscheint während des gesamten Verlaufs vor allem das Verhalten des Landrats und einiger Medien, die den Anstieg der Corona-Zahlen eines gesamten Landkreises, ohne jeglichen Beweis, dem Verhalten einer einzelnen jungen Frau anlasten und mit ihr entsprechend umgegangen sind. Ja, Corona hat uns alle aus den Socken gehauen und keiner von uns war und ist darüber begeistert, aber muss man sich so verhalten?


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